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Tod in Toyland
Los Feliz
Babes in Toyland
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Filmografie / Filmography
Biografie / Biography
Quellen / Sources
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Gus Meins ca. 1935Mit den Worten "Du wirst mich wahrscheinlich
nie wiedersehen" verabschiedet er sich von seinem Sohn Douglas. Dann verlässt Gus Meins sein Haus in Los Feliz, einem Prominenten-Vorort von Los Angeles. Der Einwanderer aus Deutschland hat es weit gebracht - er ist ein vielbeschäftigter Regisseur, hat mit etlichen Stars zusammengearbeitet, zu seinen Nachbarn zählen Größen wie Howard Hughes und Bela Lugosi. Meins setzt sich in seinen Wagen und fährt in die Berge im Osten der Stadt. Von hier aus, dem "Balkon Südkaliforniens", kann man bis nach Santa Catalina unten in der Bucht von L.A. sehen, die
glitzernde Metropole inklusive Hollywood und Sunset Boulevard überblicken. Aber Gus Meins ist nicht wegen der Aussicht gut 20 Meilen weit gefahren. Es ist der Abend des 1. August 1940. Seit wenigen Tagen ist sein neuer Film in den Kinos, sein nächster, dessen Premiere er nicht mehr miterleben wird, ist im Kasten. Vor wenigen Stunden aber hat Meins den Entschluss gefasst, sich umzubringen. Bei La Crescenta steigt der Regisseur aus dem Auto, klemmt einen Schlauch an das Auspuffrohr, setzt sich hinters Steuer und atmet die tödlichen Gase ein. 

Wenige Stunden zuvor war Meins auf Kaution aus der Haft entlassen worden. Die Anklage:
sexuelle Belästigung Minderjähriger. Drei Jungs zwischen 10 und 15 Jahren hatten ihn
beschuldigt, im Arbeitszimmer seines Hauses in Los Feliz "unmoralische Handlungen" an
ihnen vorgenommen zu haben. Seiner Frau Mary und seinem Sohn beteuert er seine Unschuld. Gleich, ob die Anschuldigungen wahr oder falsch seien, sie würden seine Karriere, seinen Namen ruinieren. Meins sieht nur einen Ausweg: den Selbstmord. 

Seine Karriere: Bis zu seinem Tod drehte Meins 142 Filme, allesamt in Hollywood. Er drehte
mit einigen der größten Stars seiner Zeit, arbeitete für die wichtigsten Studios der goldenen
Ära der Filmstadt. Sein bekanntester Film und größter Erfolg: die Laurel & Hardy-Komödie
"Babes in Toyland". Ein Mann, der das Filmhandwerk in den Studios des "King of Silent
Comedy" Mack Sennett lernte, für Hal Roach die legendären "Kleinen Strolche" in Szene
setzte und am Ende seiner Laufbahn als Regisseur und Produzent für seine Filme allein verantwortlich zeichnete, wenn auch für das B-Film Studio Republic.

Sein Name: Geboren wurde Gus Meins am 6. März 1893 als Gustav Luley in Frankfurt am
Main. Als Sohn des Schlesiers Johann Jacob Luley und seiner Frau Mathilde, geborene
Grieger, die aus Darmstadt stammte. Die Familie blieb nicht lange in Frankfurt. Wie zwei
Millionen andere Deutsche um die Jahrhundertwende suchten die Luleys ihr Glück in Amerika.



Hapag-Dampfer DeutschlandAm 1. September 1900 erreicht der Schnelldampfer Deutschland (Foto)
New York. Der brandneue Amerika-
Liner der Hapag, das schnellste
Schiff seiner Zeit, hat nur fünfeinhalb
Tage von Hamburg bis in die Neue
Welt gebraucht. Die Passagiere der
1. und 2. Klasse können nach kurzer Kontrolle das Schiff verlassen, die insgesamt 1300 Mitfahrer aus 3.
Klasse und Zwischendeck werden
per Barkasse nach Ellis Island
gebracht. Unter ihnen: der kleine
Gustav Luley, sein neunjähriger Bruder Antoni und seine Mutter Mathilde. Der Vater ist laut Passagierliste nicht an Bord. Wahrscheinlich ist er, wie viele Ernährer der Einwandererfamilien, bereits voraus gefahren. Die Neubürger aus Old Germany werden mehrere Stunden lang medizinisch untersucht, befragt, gecheckt, schließlich für okay befunden. Dann ist der Weg nach Westen frei.

Bevor Gustav allerdings Kalifornien erreicht und sich in Gus verwandelt, vergehen noch einige
Jahre, spielen sich offensichtlich etliche Dramen ab. 1903 tauchen die Luleys in St. Louis auf.
Dort trennt sich Vater Johann Jacob von seiner Familie. Ein Jahr später wird er noch in King
County nahe Seattle im Bundestaat Washington gesehen. 1910 wird eine Mathilde A. Meins 
bei der US-Volkszählung in Los Angeles registriert. Der zweite Vorname von Mathilde Luley ist Amalie - das ist das A. In King County und einigen Nachbargemeinden leben zu jener Zeit
mehrere Männer Ende 30, die den Namen Meins tragen. Wahrscheinlich, das einer von ihnen
der neue Mann an der Seite von Mathilde Grieger, Ex-Luley, wird. Und damit der Stiefvater von Gustav. Auch dieser Mann teilt wenig später das Schicksal fast aller männlichen Familien-
mitglieder der Luleys und Meins': Er verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Wie Johann Jacob.
Wie Gustavs Bruder Antoni, dessen Spur sich nach der Emigration in New York verliert. Wie Jahrzehnte später Gus.

1916 jedenfalls, das ist gesichert, fängt Gus Meins als Cartoonist beim Los Angeles Evening
Herald an. Sein erster Job. Noch sind die Bilder nicht bewegt. Aber Hollywood rückt näher.
Die Filmindustrie ist in jenen Jahren gerade dabei, von New York in die kalifornische Sonne zu ziehen. Riesige Studiokomplexe entstehen, Stars werden gemacht, Vermögen verdient - eine Maschine, die hunderte von Streifen jährlich ausspuckt und tausende junge Talente aufsaugt.
1919 ist es so weit. Meins verlässt die Tageszeitung und geht zum Film. Der Mann ist nun richtig im Land der unbegrenzten Möglichkeiten angekommen - dazu gehören auch die privaten Veränderungen: 1918 heiratet er die gebürtige Amerikanerin Mary Berge Lewis, am 29. März desselben Jahres wird sein Sohn Douglas geboren.



Das Fox Studio ca. 1916Irgendwann im Laufe des Jahres 1919 steigt Gus Meins als Gagman bei der Fox Film Corporation ein. Die Fox hatte 1916 einen Studiokomplex in Hollywood, Ecke Sunset und Western, errichtet (Foto). Ab 1917 entstehen dort Spielfilme und Kurz-film-Komödien. Studioboss William Fox beginnt als einer der ersten bedeutenden Produzenten mit der fabrikmäßigen Herstellung von Filmen. Die Umsätze explodieren: 1915 setzt Fox 500 000 Dollar um, 1924 bereits 2,5 Millionen. Neben den großen Mehraktern mit Theda Bara und anderen Stars sind sein Geschäft vor allem die Comedies, der Bereich, in dem Gus Meins arbeitet. Die meisten dieser kurzen, schnell heruntergekurbelten Filme sind heute verschollen. Die Komödien werden in zwei Tochterfirmen hergestellt: Die Foxfilms dreht einen Zweiakter (20 Minuten Länge) pro Woche, bei den Fox Sunshine Comedies sind insgesamt vier Drehteams für die Herstellung von zwei Einaktern in 14 Tagen zuständig. Zu Meins' Kollegen gehören Darsteller wie Clyde Cook und Chester Conklin, Regisseure wie Charley Chase (unter dem Pseudonym Charles Parott, später wird er unter Meins' Regie spielen) und der junge Norman Taurog.   

Logo der Sunshine ComediesAls Supervisor und Regisseur bei den Sunshine Comedies wirbelt der berüchtigte Henry Lehrman, gebürtiger Wiener, Schüler von David Wark Griffith und unter den Spitznamen "Suicide" in der Branche bekannt. Den Titel trägt er nicht, weil er als lebensmüde gilt, sondern beim Dreh keine Rücksicht auf die Gesundheit seiner Darsteller zu nehmen pflegt. Lehrmans Handschrift: wilde Szenen und eine leicht surreale Optik. Seine Masche: junge Talente für wenig Gage verpflichten und ihnen von Anfang an Verantwortung übertragen. Taurog z. B. erhält 75 Dollar die Woche. Als er später als Regisseur zu Larry Semon wechselt, bekommt er gleich das Zehnfache. Für Meins und die anderen Jungfilmer bei Fox ist das eine magere, aber ungemein erfahrungsreiche Lehrzeit. Den Sprung vom Gagman zum Regisseur schafft Meins aber bei einem anderen Studio und unter einem anderen Produzenten: dem Keystone-Kop Erfinder und Comedy-King Mack Sennett.  



Ben Turpin 1921Nach drei Jahren bei Fox scheint Gus Meins am Ziel: 1922
fängt er bei Keystone-Kop-Macher Mack Sennett als Regisseur an. Sein Debüt heißt treffenderweise "Step Forward". Und tatsächlich sieht alles nach einem großen Karriereschritt aus. Produzent Sennett stellt Meins einen erfahrenen Co-Regisseur zur Seite, die Besetzung des Zweiakters ist top. Hauptdarsteller in "Step Forward" ist Ben Turpin (Foto, 1921). Der schielende Schnauzbart ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er verdient sagenhafte 3000 Dollar pro Woche, ist Anfang der 20er populärster und teuerster Star im Sennett-Stall. An seiner Seite: Phyllis Haver, eine Sexgöttin des Stummfilms. In der derselben Besetzung dreht Meins einige Monate später mit "Home Made Movies" eine weitere Kurzfilm-Komödie. Aber sein zweiter Film für Sennett soll auch sein letzter bleiben. Volle drei Jahre vergehen, bis Meins wieder im Regiestuhl sitzt, für ein anderes Studio. 1925 kommt Meins zur Universal. Beim Hollywood-Major findet der mittlerweile 28-Jährige sein Thema - familiengerechte Komödien mit kindlichen Hauptdarstellern. Und jahrelange Beschäftigung, nachhaltigen Erfolg, Beachtung in der Branche.



Universal City 1924Die Universal Studios siedeln sich 1915 mit der gigantischen Studio City in North Hollywood an, damals der modernste Studiobetrieb weit und breit. Hier entstehen Großproduktionen wie Erich von Stroheims "Blind Husbands" und "Der Glöckner von Notre Dame" mit Lon Chaney, die Universal Prestige und Profit bringen. 1925 werden in der Studio City am Lankershim Boulevard (Foto, 1924) über 40 abendfüllende Spielfilme und Hunderte von Kurzfilmen hergestellt. Dennoch hat Universal ein Problem: Als eines der kleineren Majors verfügt das Studio über keine eigene Kinokette. Um die Produktionen dennoch flächendeckend zu vermarkten, werden Film-Pakete geschnürt, die zu so günstigen Bedingungen verliehen werden, dass auch kleinere Kinos und Provinzlichtspielhäuser die Ware abspielen können. So ein Paket besteht meist aus einem Langfilm, einer Newsreel, einer Episode aus einer Filmserie und einem weiteren Kurzfilm. Damit das Ganze für das Studio profitabel bleibt, müssen vor allem die Serials und Shorts extrem marktgerecht und ökonomisch hergestellt werden. Das geht nur mit möglichst populären Themen, geringen Budgets, kurzer Drehzeit. Mitte der 20er erwirbt Universal die Rechte an der erfolgreichen Comic- und Kinderbuchreihe "Buster Brown". Die Geschichten aus der Feder von Richard Felton Outcault um einen kleinen Upper-Class-Jungen von der Ostküste und seinen Hund gibt es bereits seit 1902 als Zeitungs-Comic und wachsen sich schnell zu einem phänomenalen Merchandising-Erfolg aus. Es gibt "Buster-Brown"-Schuhe, Kinderkleidung, Spielkarten, Kaugummibildchen, eine Radioserie.

Buster-ComicDie ersten beiden "Buster"-Filme dreht Richard Lamont ("Abbott & Costello"). Erst mit dem dritten Teil "Oh! Buster!", der am 25. November 1925 Premiere hat, steigt Meins als Regisseur in die Serie ein, von der von nun an Monat für Monat eine neue Episode in die Kinos kommt. Möglich, dass seine Erfahrung als gelernter Cartoonist den Ausschlag gegeben hat, ihn für die Verfilmung einer Comicserie zu engagieren. Er entwickelt offenbar ein Händchen für den Umgang mit Kindern vor der Kamera. Auf jeden Fall rechtfertigt er das Vertrauen, dass die Produzenten Abe und Julius Stern in ihn setzen, denn die "Buster"-Filme werden ein kommerzieller Erfolg. 

Gearbeitet wird schnell und mit überschaubarem Aufwand. Die maximal 20-minütigen Filme werden in wenigen Tagen gedreht, die Besetzung bleibt auf den Hauptdarsteller Arthur Trimble, Doreen Turner als seine Mutter und den Hund Pete beschränkt. Bis 1928 dreht Meins elf "Buster"-Filme. Die Serie wird 1929, nach insgesamt 50 Filmen und dem Tod des Erfinders Outcault, eingestellt. Aber da arbeitet Gus Meins schon längst an einer anderen Filmreihe.

"Newlyweds"-Star Sunny Jim McKeenDurch den Erfolg der "Buster"-Serie inspiriert produzieren die
Stern-Brüder eine weitere Filmreihe für die Universal. Das Strickmuster ist das Gleiche. Auch bei "The Newlyweds And Their Baby" geht es um die Abenteuer eines Kindes, wieder entsteht die Serie nach einer bewährten Comicvorlage. Und wieder gelingt es der Universal, das Thema multimedial zu vermarkten.                                                                                                  Gus Meins macht ab 1926 neben dem ersten Film dieser Serie ("The Newlyweds Neighbors") weitere 22 Folgen. Insgesamt entstehen bis 1929 39 "Newlyweds"-Episoden, deren Figuren auf den seit 1904 erschienenden Zeitungscomics von George McManus basieren. Es geht um die Erlebnisse einer Mittelschicht-Vater-Mutter-Kind-Familie zwischen Einkaufstour, Angelausflug und Hausbau. Im Mittelpunkt: ein gewitzter kleiner Junge mit kecker Frisur. Snookums, so der Name des Titelhelden, wird von dem kleinen Sunny Jim McKeen (Foto) gespielt, dem damals knapp zweijährigen Sohn des Regisseurs Lawrence D. McKeen. Hal Roach, für den Meins später Regie führen wird, nennt den Jungen "einen der Kinderstars, mit dem man am leichtesten arbeiten kann." Die Arbeit mit dem Kleinen ist nicht nur leicht, sondern extrem erfolgreich. Sunny macht Werbung, lächelt von Magazintitelseiten, ein Schokoriegel wird nach ihm benannt. Seine Gage: 100 Dollar pro Tag. Studioboss Carl Laemmle nennt die "Newlyweds" eine "sichere Bank an der Kinokasse". US-Präsident Calvin Coolidge lässt es sich nicht nehmen, mit dem Jungen auf dem Rasen des Weißen Hauses für ein Pressefoto zu posieren. Kein Zweifel, Universal verfügt mit Sunny über einen kleinen Star von großer Popularität.

Filmplakat zur "Newlyweds"-ReiheDer Ruhm des kleinen Rackers reicht bis nach Berlin. Die von Gus Meins inszenierte Episode "The Newlyweds Christmas Party" läuft unter dem Titel "Sonny unterm Weihnachtsbaum" im Dezember 1926 im Deutschen Reich. Wie üblich muss der Film zunächst der Filmprüfstelle Berlin zur Zulassung vorgelegt werden. Dort stößt der harmlose Zweiakter auf Bedenken. In der Story geht es um einen Einbrecher, der als Weihnachtsmann verkleidet und von der Polizei verfolgt bei den Newlyweds eindringt. Nach einigen Hin und her bezieht schließlich Snookums Vater, der ebenfalls in einem Weihnachtsmannkostüm steckt, die dem Verbrecher zugedachten Prügel der Gesetzeshüter. Zwei Beisitzer der Prüfstelle finden, "dass durch die Anhäufung von Gewalttätigkeiten und Groteskszenen, die jeder Tiefe entbehren" der Film "eine entsittlichende und verrohende Wirkung auf ein deutsches Kindergemüt" ausübt. Die Oberprüfstelle gibt den Film jedoch am 9. Dezember ohne Auflagen frei. Begründung: "Die Darstellung wird durch den freundlichen Humor des Hauptdarstellers, eines kleinen Jungen, in einem Maß gemildert, dass eine abträgliche Wirkung auf Jugendliche" nicht festgestellt werden kann.

Für Sunny Jim McKeen hat die ganze Geschichte kein Happyend. Nach dem Ende der Serie dreht er noch sechs kurze Tonfilmkomödien. Am 2. April 1933 stirbt er im Alter von acht Jahren an einer Blutvergiftung. Nicht einmal der Nachruhm bleibt ihm - die meisten Kopien der "Newlyweds"-Episoden sind, da schlecht gelagert, längst zu Staub zerfallen.

Bis 1930 dreht Meins noch elf weitere Kurzfilm-Komödien für Universal. Die letzten beiden "Getting The Air" und "Some Show" sind Meins' erste Tonfilme. 1932 arbeitet Meins als Zeichner an der Mack-Sennett-Spielfilmkomödie "Hypnotized" mit. Der Film wird ein künstlerisches und finanzielles
Desaster. Der ruinierte Sennett muss daraufhin sein Studio verkaufen, steigt wenige Jahre später ganz aus dem Filmgeschäft aus. Gus Meins stehen die besten Jahre noch bevor.




Eingang zu den Roach-StudiosVon 1932 bis 1937 arbeitet Gus Meins als Regisseur für die Hal Roach
Studios. In dieser Zeit macht er seine besten, erfolgreichsten und bis
heute bekanntesten Filme. Dazu zählen einige der bemerkenswertesten "Our Gang"-Episoden, Comedy-Klassiker mit Thelma Todd und der Laurel & Hardy-Hit "Babes in Toyland". Bei Roach ist Meins der richtige Mann zur rechten Zeit. Mitte der 30er sind die Hal Roach Studios in Culver City die erste Adresse für Comedy made in Hollywood. Stars wie Charley Chase und Stan Laurel geben sich die Klinke in die Hand, das Unternehmen ist auf dem Höhepunkt seiner Produktionskapazität. Auch hinter der schicken Fassade des Studiokomplexes (Foto) stimmt fast alles: Roach gilt als angenehmer Boss, der es versteht, gute, geradezu familiäre Arbeitsbedingungen zu schaffen. Er fördert Talente, baut sie auf und bindet sie langfristig an sein Studio. So hat er sein Unternehmen in den 20ern groß gemacht, so arbeitet er nach wie vor.



Cast & Crew von "One Track Minds", 1933Roach heuert Gus Meins 1932 an. Sein Job: Er soll den Zweiaktern seines Comedyduos Thelma Todd und ZaSu Pitts, dem weiblichen Pendant zu Laurel & Hardy, mehr Schwung geben. Und der neue Regisseur ist "das Beste, was ihnen passieren konnte" (Leonard Maltin). In seinem ersten Film mit den beiden Damen beweist Meins gleich seinen Sinn für das Fantastische. Thelma und ZaSu wirken in "Sneak Easily" als Geschworene in einem Mordprozess. Das angebliche Mordwerkzeug ist ein kleiner explosiver Ball. Um die unglaubliche Wirkung dieses Gegenstandes im Gerichtssaal zu demonstrieren, wird ein Foto gezeigt: Die verheerende Explosion hat ganz New York in eine karge Canyonlandschaft verwandelt. Woraufhin Thelma das Corpus delicti vor Schreck verschluckt. In "Maids a la Mode" verwendet Meins Zeichentrickelemente: Die Handlung gipfelt in einer wilden Tanzszene, in der es ZaSu mit lebendigen Skulpturen zu tun bekommt. In "One Track Minds" (Set-Foto; Gus Meins, knieend, 2. v. l.) parodiert Meins einen deutschen Regie-Kollegen in Hollywood. Thelma hat ein Casting gewonnen und macht sich per Eisenbahn auf den Weg nach Hollywood, um Filmstar zu werden. Bei Regisseur von Sternheim, einem strengen Herrn mit Baskenmütze und Monokel, kommt sie jedoch nie an.

Klar, die Geschichten leben im Wesentlichen von den Gegensätzen der Hauptdarstellerinnen. Thelma als "all american blonde" geht positiv und risikofreudig zu Sache, Mauerblümchen ZaSu ist die ängstliche Stubenhockerin. Beide wollen hoch hinaus (mehr Geld verdienen, tolle Jobs haben, reiche Kerle angeln), scheitern aber stets am recht großen Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit.  

Thelma ToddZum Reiz der Girl-Comedies trägt natürlich auch der Starruhm der beiden Hauptdarstellerinnen bei. Die ehemalige Schönheitskönigin Thelma Todd (Foto) ist populär durch ihre Marx-Brothers-Komödien ("Monkey Business"), ZaSu Pitts gilt ihrem ehemaligen Regisseur Erich von Stroheim ("Greed") als "größte Tragödin der Leinwand”. Das hält Produzent Hal Roach nicht davon ab, Pitts, als sie mehr Gage verlangt, kurzerhand durch eine andere, weniger anspruchsvolle Darstellerin zu ersetzen. Die findet er in der Broadway-Schauspielerin Patsy Kelly. In ihrem ersten gemeinsamen Film mit Thelma Todd ("Beauty And The Bus") lässt Gus Meins die Neue von der Bühne in eine Trommel fallen. Kelly führt den gewagten Stunt selbst aus - um Roach und ihrem Regisseur zu gefallen. Thelma steckt ihrer Kollegin anschließend, dass in den Hal Roach Studios durchaus mit Doubles gearbeitet wird... Ansonsten ändert sich die Hackordnung unter den Figuren der Serie eher zuungunsten Thelmas. War früher ZaSu eher Opfer ihrer forschen Freundin Thelma, "leidet” diese nun zunehmend unter dem Temperament ihrer neuen Partnerin. In "All American Toothache" riskiert Thelma sogar ihre Gesundheit. Für Patsys Bekannten, einen angehenden Zahnarzt, stellt sie sich als medizinisches
Versuchsobjekt zur Verfügung.

In der Rolle des Opfers findet Thelma Todd auch privat bald wieder. "All American Toothache" ist der letzte Film, den Meins mit ihr dreht. Am Morgen des 16. Dezember 1935 wird Thelma tot von ihrem Hausmädchen in der Garage entdeckt. Die Zündung ihres Wagens ist eingeschaltet, ihre Kleidung blutverschmiert. Als Todesursache stellt der Gerichtsmediziner eine Kohlenmonoxidvergiftung fest. Die mysteriösen Umstände, die letztlich zu ihrem Tod geführt haben, werden nie geklärt. "All American Toothache" kommt erst Ende Januar 1936 in die Kinos, etwa ein Jahr nach dem Ende der Dreharbeiten.

Produzent Hal Roach versucht seine Girl-Komödien am Leben zu erhalten - mit neuen Schauspielerinnen und im ungewohnten Spielfilm-Format. Gus Meins dreht mit dem neuen Team Patsy Kelly/Pert Kelton ”Kelly the Second”. Der Film ist einer der ersten Langfilme, die Roach in den 30ern produziert. Ein Versuch, den zurückgehenden Absatz seiner Kurzfilme zu kompensieren und die erfolgreiche Comedy-Formel aus den Zweiaktern in einen abendfüllenden Spielfilm zu übertragen: "Um 1936 herum tastete sich mein Studio an Spielfilme heran, um zu sehen, womit wir Profit machen konnten." Der Film, immerhin mit Charley Chase in der männlichen Hauptrolle, gerät für eine Komödie etwas schwergängig, leidet auch am zu knappen Budget, das nicht reicht, die komischen Verwicklungen um einen Box-Weltmeisterschaftskampf im Schwergewicht (mit Patsy als Trainerin!)
überzeugend genug darzustellen.

Roach und Meins versuchen mit einem weiteren Thelma-Ersatz zu punkten. Nach dem Zweiakter ”Hill Tillies” dreht Meins mit dem Gespann Lyda Roberti und Patsy Kelly von September bis Anfang November 1936 den Spielfilm „Nobodys Baby”. Die Story: Die beiden Girls verhelfen als
Schwesternschülerinnen einer Tänzerin und ihrem Baby zu Ehegatten und Familienglück. Die romantische Komödie mit Musicaltouch gibt Roberti und Kelly in einer gemeinsamen Nummer auch die Gelegenheit, ihre musikalischen Qualitäten unter Beweis zu stellen: Roberti singt und Kelly steppt. Die polnische Blondine Lyda Roberti, zu diesem Zeitpunkt bereits ein Bühnenstar mit
Sex, Stimme und unverwechselbarem Akzent, scheint ein adäquater Partner für die eher bodenständige Kelly zu sein. Die beiden ergänzen sich gut, bügeln Drehbuchschwächen aus, sorgen für einige Lacher. "Variety" nennt den Film, der am 23. April 1937 Premiere hat, eine "anständige Nummer für ein Duo". Was der Auftaktfilm zu einer neuen Comedy-Partnerschaft hätte sein können, findet bald ein abruptes Ende. Am 12. März 1938 stirbt Lyda Roberti, keine 32 Jahre alt, an einer Herzattacke.



Our Gang, ca. 1922Rückblende. 1922 hatte Hal Roach eine Idee, für die ihn auch noch 80 Jahre später die Kinder in aller Welt lieben dürften. Er startet eine Comedyserie, in der es nur um Kinder geht, in der Kinder alle
Hauptrollen spielen und in der Kinder in ihrer mehr oder weniger natürlichen Umgebung dargestellt werden. "Our Gang" (oder später "The Little Rascals", "Die kleinen Strolche") handelt von den Abenteuern, Streichen und verrückten Ideen einer Bande von Kindern auf den Straßen von Los Angeles. Unterschicht-Kids, Mädchen und Jungen, Weiße und Farbige. Die ungeschminkte Natürlichkeit und freche Präsenz der Laiendarsteller zwischen zwei und zwölf machen für den Reiz der Geschichten aus. Erwachsene spielen in dieser Welt keine Rolle. Nicht zufällig. "Our Gang" ist auch eine Reaktion des Produzenten Hal Roach auf die Skandale, die Hollywood in den Jahren 1921 und 1922 erschütterten: Vergewaltigung und Tod des Starlets Virginia Rappe (Verlobte Harry Lehrmans, dem Meins bei der Fox begegnete), der Mord an dem Regisseur William Desmond Taylor, Drogensucht und Tod des Paramount-Stars Wallace Reid. Die Filmstadt reagiert: Um den Ruf des schlimmsten Sündenbabels der Welt los zu werden, sollen „saubere” Filme gedreht werden, und wo sie noch nicht sauber genug sind, hilft eine selbstgeschaffene Zensurinstanz nach, das Hays-Office. Kann es sauberere Filme geben, als Komödien mit Kindern, in denen "erwachsene” Probleme wie Drogen, Sex und Gewalt gar nicht erst vorkommen können?

Bis 1944 entstehen insgesamt 221 Filme der „Our Gang"-Reihe. Die ersten 65 Filme entwirft Hal Roach noch selbst, überlässt die Regie aber vornehmlich seinem Stammregissuer Robert McGowan. 1934 wird Gus Meins Hauptregisseur der Reihe, die neben den Laurel & Hardy-Filmen das erfolgreichste Produkt der Hal Roach Studios ist. Nach über zehn Jahren löst er den müden und von Krankheit gezeichneten McGowan ab. Was Meins für den Job qualifiziert, ist klar: seine Erfahrung mit Kindern vor der Kamera. Die Arbeitsweise in den Roach Studios hat sich seit den frühen 20ern nicht entscheidend verändert. Die „Gang"-Zweiakter entstehen in sieben bis acht Tagen Drehzeit. Der Produktion voraus geht eine Storykonferenz, auf der die Linie des Films festgelegt wird. Ist eine Idee gefunden (oder, wie häufig, von Roach vorgegeben), wird sie von Autoren, Gagmen und Regisseur weiter entwickelt, bis sie das endgültige Okay des Produzenten bekommt. Etwa alle vier Wochen entsteht eine Episode. Es sind in erster Linie Gemeinschaftsprodukte, die Handschrift eines Regisseurs ist selten zu erkennen.

"Little Papa": Gus Meins (3.v.l.) am Strolche-SetGus Meins dreht zwischen Anfang 1934 und Ende 1936 16 "Gang"-Komödien. Einige dieser Filme zählen zu den besten der gesamten Reihe. Gleich sein Gang-Debüt "Hi'-Neighbor" wird zum Klassiker. Die Geschichte schlägt ein typisches Strolche-Motiv an: Die Gang muss sich gegen ein hochnäsiges Upperclass-Kind behaupten. In diesem Fall gegen einen gerade eingezogenen Nachbarsjungen, der mit seinem funkelnagelneuen Feuerwehrauto den Jungs der Gang die Schau stiehlt. Die bauen aus allerlei Schrott und Fundstücken einen eigenen Wagen und forden den Neuankömmling zu einem waghalsigen Rennen heraus. Eine einfache, effektive Story, die Meins mit liebevollen Details, stiller Komik, Tempo und einer guten Portion Action abwechslungsreich erzählt. "Hi' Neighbor" ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Episoden unter dem neuen Regisseur eleganter und filmisch ansprechender gestaltet sind. Die Geschichten wirken schlüssiger, sind handwerklich gelungener. Wo früher mehr improvisiert wurde, gehts jetzt häufiger nach dem Drehbuch. Dennoch: das knappe Budget (geschätzte 20 000 Dollar pro Folge) und die kurze Drehzeit sieht man auch diesem Film an. Verwackelte Kamerafahrten tauchen hier ebenso auf wie grobe Rückprojektionen und holprige Anschlüsse. Hauptjob der Strolche-Regisseure ist es ohnehin, das Spiel der Kinder so direkt und natürlich wie möglich in Szene zu setzen. Was keine leichte Aufgabe ist, denn Meins' Hauptdarsteller Spanky McFarland, damals fünf Jahre alt, hat ausgewachsene Starallüren. Seine Texte lernt er nicht, der Regisseur muss sie ihm vor jedem Take vorbeten. Vor jeder Aufnahme pflegt der kleine Star zu fluchen.

In seinen weiteren "Gang"-Filmen bereichert Meins die Film-Welt der Strolche um einige bemerkenswerte Neuerungen. In "Mama's Little Pirates" machen die Kinder einen Ausflug ins Fantasy-Genre. Spanky und seine Kumpel wollen auf Schatzuche in einer nahen Höhle gehen. Die (von der Mutter verbotene) Exkursion wird zu einen wahren Albtraum, der sich später auch als solcher entpuppt, inklusive Labyrinth, bösem Geist und Monster. Ein frühes Vorbild des Steven Spielberg-Films "Goonies". In den Episoden "Mike Fright", "Beginner's Luck" und vor allem "Our Gang Follies Of 1936" zeigt der Regisseur sein Faible für die musikalische Komödie und Show-in-der-Show-Geschichten. In "Mike Fright" nehmen die Kids an der Amateurshow einer Radiostation teil, in "Beginner's Luck" an einem Theater-Talentwettbewerb und in den "Follies" stellen sie eine eigene Hinterhof-Revue auf die Beine. "Follies", am 30. November 1935 in die Kinos gekommen, wird einer der erfolgreichsten Filme der Reihe. Für viele "Strolche"-Fans ist er auch einer der Besten.

Carl Alfalfa SwitzerMit "Beginner's Luck" startet die Karriere eines der populärsten Gangmitglieder, Carl "Alfalfa" Switzer. Die Entstehungsgeschichte des Films ist auch ein gutes Beispiel für die manchmal improvisierte Arbeitsweise der Hal Roach Studios. Die ersten Aufnahmen des Zweiakters hat Meins bereits im Kasten, als der siebenjährige Carl in der Studiokantine auftaucht, dort vor versammelter Mannschaft in der Mittagspause eine Gesangsnummer zum Besten gibt und, wie beabsichtigt, die Aufmerksamkeit von Hal Roach erregt. Roach engagiert den Jungen vom Fleck weg, schreibt ihm eine Rolle in "Beginner's Luck" auf den Leib, macht einen Vertrag mit ihm und schickt ihn am nächsten Tag ins Studio. Carls Gage: 40 Dollar die Woche. Der Junge (Markenzeichen: die hochgestellte Haarlocke) ist kein Kind von Traurigkeit. Er nervt seinen Regisseur schon mal mit Boxeinlagen in den Drehpausen, Pinkelattacken auf Studioscheinwerfer und Kaugummis, mit denen er die Kamera verklebt. Allerdings kann er sich seinen Text merken und braucht selten mehr als einen Take.

Der letzte Gang-Film, bei dem Meins Regie führt, bleibt ironischerweise vor allem deswegen in vielen Fans in Erinnerung, weil hier die Kinder von der erwachsenen Hauptdarstellerin regelrecht an die Wand gespielt werden. In "Second Childhood" gehts um den 65. Geburtstag von Grandma nebenan. Die Oma ist etwas griesgrämig, verlässt nie ihr Haus, schluckt Unmengen von Pillen. Unter dem Einfluss der Strolche entdeckt die alte Dame ihre Jugend wieder - bis sie schließlich sogar Rollschuhe unterschnallt. Die Wandlung der Grandma wird von der damals 72-jähigen und nahezu erblindeten Zeffie Tilbury so überzeugend gespielt, dass sogar die "Gang"-Stars Spanky und Alfalfa neben ihr verblassen. "Second Childhood" (1936) ist nicht nur Meins letzter Film mit den kleinen Strolchen, sondern auch sein letzter Film, in dem Kinder eine Hauptrolle spielen.



Aushangfoto zu "Babes in Toyland"1934 ist das ereignisreichste und erfolgreichste Jahr in der Filmkarriere des Gus Meins. Er arbeitet jetzt abwechselnd für zwei Serien der Roach Studios: In jenem Jahr dreht er je sieben Episoden der "Our-Gang"-Reihe und der Girl-Filme mit Todd/Kelly. Und Meins sollte seinen ersten abendfüllenden Spielfilm als Regisseur machen: die Laurel & Hardy-Fantasy-Operette "Babes in Toyland", einen Film, der Dank der abenteuerlichen Begleitumstände der Produktion beinahe nie zustande gekommen wäre.

Im November 1933 erwirbt Hal Roach die Filmrechte an Victor Herberts Operette "Babes in Toyland". Das Stück, 1903 uraufgeführt, hatte zwar ein paar passable Songs vorzuweisen, verfügte aber nur über eine recht dürftige Handlung. Roach hat allerdings ganz große Pläne mit dem Stoff. Er schreibt eigenhändig eine neue Filmhandlung und setzt alle Hebel in Bewegung, um aus dem Projekt einen echten Prestigefilm für sein Studion zu machen. Der Film soll noch glanzvoller werden als die gerade erfolgreich in den Kinos gelaufene Laurel & Hardy-Operette "Fra Diavolo". Roach denkt zunächst sogar daran, in Farbe produzieren zu lassen. Für eine der Hauptrollen verhandelt Roach mit dem Ben Hur-Star Ramon Novarro. Nicht weniger als vier Regisseure sollen das Mammutprojekt stemmen – einer soll für die die Spezialeffekte und Animationen verantwortlich sein, der zweite für die Musikeinlagen, ein dritter für die dramatischen Szenen, ein vierter schließlich für die Comedyszenen. Laurel und Hardy sollen in Roachs "Toyland"-Story zwei gutmütige Trottel spielen, die das Spielzeugland mit Liebe und Freundlichkeit vor einer hasserfüllten, bösen Spinne retten müssen.

"Die Geschichte ist nicht komisch", findet Stan Laurel in einer Produktionsbesprechung Ende 1933 mit Hal Roach. Schlimmer noch: Dem Komiker missfällt die ganze Handlung, so einen Film will er nicht machen. Der genervte Roach gibt seinem Star nach heftigem Streit schließlich nach: "Laurel, dann bitte übernehmen Sie den Film!" Ein Streit, der auch das spätere Ende der Zusammenarbeit zwischen dem Produzenten und dem Komikergespann einläutet. Noch Jahrzehnte später ist Roach so verärgert über die Begleitumstände dieser Produktion, dass er "Babes in Toyland" für einen schlechten Film hält, der kein Geld einbrachte – beides ist unwahr.

Setfoto von "Babes"Nach diesem Disput kümmert sich Roach vornehmlich um das Geschäftliche, Laurel um die künstlerische Arbeit. Aus vier Regisseuren werden zwei: Stan Laurel engagiert Charles Rogers für die Comedyszenen, also die Laurel & Hardy-Einlagen, Gus Meins übernimmt den "Rest" der Inszenierung. Dieser Rest macht allerdings den Hauptteil der Produktion aus, die beiden Starkomiker treten eigentlich nur in etwas größeren Nebenrollen auf. Im Februar 1934 werden die Dreharbeiten erstmals unterbrochen, ein neues Drehbuch wird in Auftrag gegeben. Bis Mai werden weder Laurel noch Hardy im Atelier gesehen. Was auch private Gründe hat: Laurel hat Probleme mit seiner Ex-Frau (Unterhaltszahlungen), Hardy mit seiner Noch-Ehefrau (Alkohol). Im Juli ist das neue Drehbuch fertig. In dieser Fassung wird der Frieden im Spielzeugland von dem geldgierigen Barnaby bedroht, der eine arme Witwe mit ihrer unbezahlten Hypothek erpresst, um deren süße Tochter zu heiraten. Laurel und Hardy springen als Stannie Dum und Ollie Dee der Witwe bei und legen am Ende den bösen Barnaby und seine Armee der schwarzen Männer aufs Kreuz. In dieser märchenhaften Handlung mit Musikeinlagen (der fertige Film hat immerhin noch sechs Songs von Victor Herbert) gibt es auch etliche Kinderollen. Einige davon besetzt Gus Meins mit kleinen "Strolchen” wie Jean Darling und Joy Wurgraft.

Im August 1934 gehen die Dreharbeiten endlich weiter. Trotz der großen Vorbehalte, die Roach gegen das Drehbuch und die dramaturgischen Fähigkeiten von Stan Laurel hat, steckt er eine Menge Geld in den Film. "Babes in Toyland" ist die teuerste Produktion, die sich das Studo bis dato geleistet hat. Um die umfangreichen Bauten des Spielzeuglandes unterzubringen, werden zwei Ateliers der Roach Studios zusammengelegt. Auf einer gigantischen Fläche von 38.000 qm entsteht die fantastische Szenerie des Films, ein ganzes Märchen-Dorf mit Straßen und Gebäuden, sowie die dunkle Gegenwelt mit Höhlen und Wasserläufen. Nicht weniger als 300 Schauspieler werden engagiert, 900 Kostüme gefertigt, 300 Perücken gemacht, diverse Krokodile inklusive Tiertrainer von einer Film-Farm gemietet, 6500 Liter Farbe verarbeitet.

Die Produktion bleibt von Pannen und Peinlichkeiten überschattet. Am 14. August, nach gerade einer Woche Drehzeit, verletzt sich Laurel (Bänderriss), die Arbeiten werden wieder gestoppt. In der Drehpause landet Barnaby-Darsteller Henry Kleinbach wegen einer Kneipenschlägerei eine Woche im Kittchen. Als die Arbeit fortgesetzt werden kann, bricht sich Regieassistent Gordon Douglas ein Bein, Oliver Hardy muss sich die Mandeln entfernen lassen. Und natürlich führen Laurel und Roach während der gesamten Drehzeit ihren Streit weiter. Kleinbach berichtet, dass sich "Roach und Laurel die ganze Zeit über in den Haaren liegen”. Laurel bügelt jeden Gag-Vorschlag von Roach ab, ignoriert bei seinen Szenen das überarbeitete Drehbuch und lässt stattdessen lieber vor der Kamera
improvisieren. Dennoch schaffen es Meins und Rogers, die Arbeiten im Oktober abzuschließen, nach insgesamt zwölf anstrengenden Wochen im Studio.

DVD-Cover von "Rache ist süß"Als der Film am 14. Dezember 1934 in die amerikanischen Kinos kommt, finden fast alle außer Hal Roach, dass sich die Anstrengungen gelohnt haben. Die Auseinandersetzungen und Ausfälle hinter den Kulissen sieht man dem Film nicht an. Die Kritiken sind gut, die Kassen klingeln, "Babes in Toyland" gilt bei den Fans später als der beste der drei Laurel & Hardy-Operettenfilme (neben "Fra Diavolo" und dem 1935 entstandenen "Bohemian Girl"). "Variety" lobt den Film als "großartiges Märchen, das Laurel und Hardy voll gerecht wird, bestens geeignet für Kinder, voller Lacher und Spannung” und zieht das Fazit: "Der beste Kinderfilm überhaupt.” Der Film bricht während des Weihnachtsgeschäfts 1934 alle Kassenrekorde in den USA. Als "Böse Buben im Wunderland" verleiht MGM die Produktion auch in Deutschland. Am 26. Februar 1936 feiern die "Buben" ihre deutsche Erstaufführung, natürlich, nicht ohne zuvor von der Filmprüfstelle als "unbedenklich für Jugendliche" freigegeben worden zu sein. Trotz eher verhaltener Kritiken wird der Film auch im Reich ein Erfolg. In Berlin schafft "Babes in Toyland", in leicht gekürzter Originalfassung und mit deutschen Untertiteln, mit 17 Tagen Spieldauer immerhin den vierten Platz unter den Februar-Premieren. Für Jahrzehnte wird nun kein Film von Gus Meins mehr in Deutschland zu sehen sein - bis 1961 die synchronisierte Fassung des Films als "Rache ist süß" in die bundesdeutschen Kinos kommt.



Die Republic-Studios, ca. 19371937 trennt sich Meins von Roach, angeblich wegen "künstlerischer Differenzen". Im selben Jahr kommt mit "Nobody's Baby" der letzte Film, den Meins für Roach abdreht, in die Kinos. Eine Komödie mit Musik, Revuetouch und einer singenden Hauptdarstellerin. Der nächste Film, den Meins dreht, für ein anderes Studio und unter veränderten Arbeitsbedingungen, schließt thematisch beinahe nahtlos daran an. "The Hit Parade of 1937" ist allerdings durch und durch ein Musical, mit Francis Langford in der Hauptrolle und u.a. der Musik und dem Orchester von Duke Ellington. Das einzige "reine” Musical, das Meins dreht und der vermutlich auch der teuerste Film, den er im Verlaufe seiner knapp 20 Jahre währenden Regiekarriere macht. Das große Budget ist umso erstaunlicher, als "The Hit Parade" in den Republic Studios (Foto, ca. 1937) entsteht, ein Studio, dass in Hollywood als die B-Film-Fabrik par excellence gilt. Für dieses Studio arbeitet Meins mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tod 1940. In denselben Hallen übrigens, in denen er schon zu Beginn seiner Karriere gearbeitet hat: Die Republic Studios haben das Gelände des insolventen Mack Sennett übernommen. Insgesamt zwölf Filme macht Gus Meins für die Republic Studios in jenen gut drei Jahren, drei weitere dreht er zwischendurch für die Fox und die Universal.

Logo der Republic Pictures1935 aus einem Kopierwerk, den Monogram Studios und weiteren kleinen Firmen geschmiedet, will Republic-Boss Herbert J. Yates Massenware nachbewährten Mustern liefern. Filme, die vor allem in den vielen kleinen Provinzkinos laufen, nicht in den großen Prunksälen der Metropolen. "The Hit Parade" ist 1937 das Vorzeigeprojekt des Studios. Mit 500 000 Dollar Produktionskosten gehört das Musical zu den so genannten Deluxes, der S-Klasse unter den Republic-Filmen, für die immerhin drei Wochen Drehzeit zur Verfügung stehen. Sonst müssen sich die Republic-Regisseure mit sieben bis 14 Tagen Drehzeit und 30 000 bis höchstens 200 000 Dollar Budget bescheiden.

Der Duke und sein Orchester, 1937Wie so viele Republic-Streifen orientiert sich auch die "Hit Parade" an einem Vorbild aus einem der Major-Studios, in diesem Fall an der erfolgreichen Big Broadcast-Serie von Paramount. Hier wie dort geht stehts um junge Gesangstalente, die nach einigen Hin und her bei einer mehr oder weniger bedeutenden Radioshow groß rauskommen – und nebenher auch noch ihr privates Glück finden. Trotz Einsatz der Stars Francis Langford und Duke Ellington (Foto, 1937) und inszenatorischem Geschick erreicht die „Hit Parade" nie den Glamour des Vorbilds. Die Kritik nennt das Musical nach der "Weltpemiere” in Langfords Heimatstadt Lakeland/Florida wenig schmeichelhaft "eine Amateurshow, die von Profis gemacht wurde”. In der dünnen Story gehts um einen Agenten (Phil Regan), der einer
singenden Society-Schnepfe (Louise Henry) zum Erfolg in einer Radioshow verholfen hat, dann von ihr als nicht standesgemäß fallen gelassen wird und daraufhin eine andere Sängerin (Langford) aufbaut, die schließlich ihre Vorgängerin gesanglich und in Liebesdingen aussticht. So weit, so
schlicht. Aber der Film hat mit Francis Langford einen Star, der aus A-Filmen ("Jeden Abend um acht", 1935), Hitparaden und Rundfunk bereits hinlänglich bekannt ist. Als große Schauspielerin kann sie nicht gelten, aber als Sängerin (sechs Songs bringt sie zu Gehör) erfüllt sie ihre Aufgabe perfekt. Der aus dem Film ausgekoppelte Song "Was it Rain” schafft es in die Top 20 des Jahres 1937. Duke Ellington steuert "I've Got to be a Rug Cutter" zum Soundtrack bei und ist mit seinem Orchester in einer weiteren Nummer im Film präsent. Dazwischen, davor und danach tritt allerdings auch jede Menge Mittelmaß in der Film-Radioshow an und das macht die ganze Veranstaltung etwas ereignisarm. Wo sich in Paramounts "Big Broadcast" -Show George Burns, Bing Crosby oder gar Richard Tauber die Ehre geben, reicht es in der Republic-"Hit Parade" eben nur zu dem Bauchredner Max Terhune (Spezialität: Zuggeräusche) oder den drei Tic Toc Girls.

Nach der "Hit Parade" gibt Meins noch für zwei Filme ein Gastspiel bei der Fox. "The Californian" und "Roll Along, Cowboy" sind Standard-Western, aus der Hüfte geschossen und wieder nur Nachahmerprodukte erfolgreicher Filme anderer Studios. Während die Fox mit "The Californian" im beliebten Robin Hood/Zorro-Genre zu wildern versucht, ist "Roll Along, Cowboy" die schwache Antwort auf (ausgerechnet) eine Reihe von Republic-Filmen mit dem singenden Cowboy Gene Autry. Das Bemerkenswerteste an beiden Filmen: Sie werden produziert von Sol Lesser, der später für RKO die Tarzan-Abenteuer mit Johnny Weissmuller macht und 1940 eine Oscarnominierung für seine Adaption des Thornton-Wilder-Stücks "Our Town" einheimst.



Filmplakat zur "Captain Marvel"-SerieDas Ende der 30er-Jahre ist das goldene Zeitalter der so genannten Serials in Hollywood. Die Vorläufer der Fernsehserien sind billig und schnell hergestellte, zumeist actiongeladene Heldensagas in 12 bis 15 Kapiteln. So schnell sie gemacht werden, so kurz laufen sie auch im Kino. Woche für Woche gibts eine neue Episode, das zahlende Publikum wird mit schlichten Cliffhangern (beliebt: die Zeitzünderbombe) bis zur nächsten Folge in Atem gehalten. 1937 produzieren etwa die Columbia und die Universal je vier dieser Filmreihen. Das wahre Herz der Serials schlägt in jenen Tagen jedoch in den Republic Studios. Helden wie Dick Tracy, Captain America und Captain Marvel stehen hier ebenso auf dem Programm wie die singenden Cowboys Gene Autry und Roy Rogers, schrottige Weltall-Abenteuer und hölzerne Dschungel-Dramen.

Lucille und James Gleason, Ende der 30er1938 dreht Gus Meins mit "The Higgins Family" die erste Folge einer neuen Republic-Serie. Auch dieses Projekt, man ahnt es, ist „inspiriert” durch ein erfolgreiches Vorbild, nämlich die Familienkomödien-Serie "Andy Hardy" der MGM. Bis 1940 inszeniert Gus Meins sieben "Higgins"-Komödien. Der Clou der Republic-Kopie, immerhin: Drei Mitglieder der "Higgins"-Film-Familie werden von einer echten Familie gespielt. Hauptdarsteller James Gleason gibt den Vater, seine Frau Lucille (Foto) die Mutter und Sohn Russell deren erwachsenen Sprössling. Die Geschichten, slapstick- und dialogreich, unterscheiden sich dramaturgisch kaum von heutigen US-TV-Sitcoms: Sie handeln von der amerikanischen Durchschnittsfamilie, die sich aus ihren Schwierigkeiten mittels ausgeprägtem Gemeinschaftssinn herauswindet. In der ersten Ausgabe der "Higgins Family" etwa gibts Zoff zur Silberhochzeit. Vater Higgins ist gelangweilt von seinem Werbeagenturjob, Mutter Higgins will Karriere beim Radio machen. Es wird gestritten und gelitten, bis die Ehe auf dem Spiel und das Paar vor dem Scheidungsricher steht - am Ende rauft sie sich aber zusammen, die Familie.

Eine Art Familie versammelt Regisseur Gus Meins für diese Serie auch hinter der Kamera. Sein Produzent bei vier Folgen der Reihe ist Sol Siegel, der später Klassiker wie die Howard Hawks-Komödien "Ich war eine männliche Kriegsbraut" (1949) und "Blondinen bevorzugt" (1953) produziert. An der Kamera steht meistens Jack Marta, der am Ende seiner Laufbahn mit Steven Spielberg (in "Duel", 1971) zusammenarbeitet. Für die Musik der Reihe ist durchgehend Oscarpreisträger Cy Feuer ("Cabaret", 1972) verantwortlich. Ein festes Team, das sicher sein Handwerk versteht, aber vor allem Effezienz sicherstellen soll. Die bescheidenden finanziellen (und manchmal auch technischen) Möglichkeiten der Produktion sind eben mit einer eingespielten Truppe leichter zu kaschieren. Gewöhnlich hat man nicht mehr als 14 Tage Zeit, eine neue Episode von 60 bis 70 Minuten in den Kasten zu bekommen. Das Budget liegt zwischen 50 000 und allerhöchstens 75 000 Dollar. Das ist auch 1938 ein Kunststück. Zum Vergleich: Der 1938/39 entstandene Großfilm "Vom Winde verweht" frisst elf Monate Drehzeit und 3,9 Mio. Dollar (und zwei Regisseure).

Familie überall: In zwei Filmen der Higgins-Serie spielt Gus Meins' Sohn Douglas eine Nebenrolle, in "Money to Burn” (1939) und "Grandpa Goes to Town” (1940). Letzterer ist auch der der letzte Film, in dem Douglas auftaucht. Nach dem Tod des Vaters hat er offensichtlich keinen Kontakt mehr zu Filmszene. Er stirbt 1987 im Alter von 69 Jahren in Riverside/Kalifornien.

Neben den Higgins-Filmen inszeniert Meins in den Jahren 1938 bis 1940 noch vier weitere Filme für Republic und einen einzigen Streifen für die Universal, die Komödie "His Exciting Night”. In der Hauptrolle: Charles Ruggles, der im selben Jahr mit dem Howard Hawks-Klassiker "Leoparden küsst man nicht” triumphiert. Aus den Republic-Produktionen ragt noch die Musik-Komödie „Scatterbrain” heraus. Bei seinem vorletzten Film wirkt Meins auch als Produzent. Die Besetzung kann sich sehen lassen, die Story ist wieder eine Film-im Film-Geschichte, die so gern in Hollywood erzählt wird. Der Produzent und Regisseur J. R. Russell (Alan Mowbray) lässt sich von seinem Presseagenten zu einem vermeintlich tollen Werbegag überreden: In einer fingierten Aktion soll Russell eine
Provinzschönheit in den Ozark Mountains "entdecken” und sie in seinem neuen Film zum Star machen. Statt der der natürlich instruierten Schauspielerin entdeckt Russell, der die Dame dummerweise noch nie gesehen hat, fälschlicherweise ein echtes Mädchen vom Lande. Und das
lässt sich nun nicht davon abbringen, in Hollywood ganz groß rauszukommen. Was zu etlichen Schwierigkeiten in Russells Studio Perfection Pictures führt.

Judy Canova in "Scatterbrain"Auch "Scatterbrain” ist einem Vorbild aus einem Groß-Studio nachempfunden, nämlich dem Musical "Kentucky Moonshine” (1937) der Fox. Die Figur des Perfection-Studiobosses ist an den MGM-Chef Sam Goldwyn angelehnt, wie die Republic-Presseabteilung nicht ohne Stolz vermeldet. Ein kleiner Seitenhieb auf das Filmgeschäft. Aber für die Hauptdarstellerin Judy Canova (Foto), bis dato als Hillbilly-Komikerin aus Rudy Vallees Radioshows bekannt, ist "Scatterbrain” der Durchbruch. In den folgenden Jahren wird sie zum Topstar der Republic Studios, allerdings festgelegt auf die Rolle der frechen Landeis mit einem Herzen aus Gold. "Scatterbrain” kommt am 20. Juli 1940 in die Kinos, wenige Tage vor dem Tod des Regisseurs.

Die Premiere seines letzten Films sollte Meins nicht mehr erleben. Als am 31. August 1940 "Earl of Puddlestone”, eine Episode mit der Higgins-Familie, in den Kinos startet, ist Meins bereits über vier
Wochen tot. Aus Respekt vor dem verstorbenen Regisseur wird, wie es heißt, sein Name aus den Credits des Films entfernt. Die Produktion der Higgins-Filme pausiert zunächst, um 1941 mit leicht geändertem Konzept wiederaufgenommen zu werden - ohne Erfolg. Nach zwei weiteren Filmen
stirbt auch die Serie.


Hal Roach Die Nachricht vom Tod des Regisseurs schockiert Hollywood. Meins gilt als einer der umgänglichsten Menschen im Filmgeschäft der Glitzerstadt, als Gentleman, der gute Arbeit liefert und korrekte Umgangsformen schätzt. Hal Roach (Foto), sein langjähriger Boss und der wohl wichtigste Begleiter seiner Karriere, sagt später über Meins: "Er war ein sehr guter Regisseur für die 'Kleinen Strolche' und er hat immer sehr gute Arbeit abgeliefert.” Joy Wurgraft, Darstellerin in einigen "Strolche”-Episoden und in "Babes in Toyland”, hat nur die angenehmsten Erinnerungen an das Casting, dass sie 1934 als Siebenjährige bei Gus Meins in den Roach Studios absolvierte: Der Regisseur ließ sich Zeit, war höflich, er erschien ihr als "nice man”. Soll so einer drei minderjährige Jungen sexuell belästigt haben? Tatsache ist, dass Meins keine Vorstrafen hatte und das sich niemals einer der zahlreichen Kinderdarsteller, mit denen er zu hatte, in irgendeiner Weise über ihren Regisseur beschwert hat.

Abspann der Strolche-FilmeNach Meins' Selbstmord wird das Verfahren eingestellt. Die Akten bleiben, zum Schutz der minderjährigen Beteiligten, geschlossen. Vielleicht heute schwer nachvollziehbar, aber doch die wahrscheinlichste Erklärung für den Selbstmord: die Angst vor einem Skandal, der Meins vermutlich beruflich zerstört und privat aufgerieben hätte. Der Mann dürfte geahnt haben, was passiert - ob schuldig oder nicht schuldig. Schließlich hat er im Laufe seiner Hollywood-Jahre genügend öffentliche Abstürze weitaus prominenterer Kollegen miterlebt. Er wird geahnt haben, dass sein jahrzehntelanger Aufstieg aus dem Nichts einer armen Einwandererfamilie in die Höhen einer glamourösen Entertainmentbranche sich in Stunden in einen Scherbenhaufen verwandeln könnte. Meins' sterbliche Überreste werden eingeäschert, die Urne der Familie übergeben. Ein Grab gibt es nicht.

Summary
Zur Filmografie/Filmography 
Zur Biografie/Biography


















































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